Redaktion:
Der Handball im SV Todesfelde erlebt seit einigen Monaten einen regelrechten Aufschwung. Lieber Henning, herzlich Willkommen zum großen Sommerinterview. Wie geht es dir nach deinem Urlaub und wie hast du die letzten Monate wahrgenommen?
Henning:
Vielen Dank! Der Urlaub war richtig erholsam. Zwei Wochen Ägypten mit rund 40 Grad, viel Sonne und einfach mal abschalten – das hat gutgetan. Ganz ohne Handball ging es aber trotzdem nicht. Eigentlich habe ich fast jeden Tag irgendetwas für die neue Saison gemacht: Trainingspläne erstellt, die Saison vorbereitet, Abläufe organisiert oder mir Gedanken über unsere Weiterentwicklung gemacht. Das gehört einfach dazu und macht mir auch Spaß.
Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, dann war das schon eine besondere Zeit. Der Aufstieg in die 2. Alsco HBF, die vielen positiven Entwicklungen im Verein und das große Interesse rund um den Handball in Todesfelde – das ist etwas, worauf wir alle gemeinsam stolz sein können. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass jetzt eine neue Herausforderung auf uns wartet. Die Vorfreude ist riesig, die Motivation ist hoch und ich habe einfach richtig Bock, dass es endlich losgeht.
Redaktion:
Vor einem Jahr wurde dem SVT durchaus zugetraut, als Aufsteiger aus der Regionalliga eine ganz gute Rolle in der 3. Liga Nord spielen zu können. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte sich die Mannschaft intern auch das Ziel auferlegt, unter die Top 5 zu kommen. Hast du diese Zielsetzung damals als zu ambitioniert wahrgenommen oder war dir da bereits bewusst, dass die Mannschaft so souverän durch die Liga fegen wird?
Henning:
Ehrlicherweise habe ich dieses Ziel damals nicht als zu ambitioniert empfunden. Ich wusste, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt und war überzeugt, dass wir eine sehr gute Rolle in der 3. Liga spielen können. Dass wir am Ende so souverän durch die Saison gehen würden, konnte natürlich niemand mit Sicherheit vorhersagen, aber ich habe der Mannschaft sehr viel zugetraut. Entscheidend war, dass wir über weite Strecken der Saison konstant auf einem hohen Niveau gespielt haben. Dazu kam, dass wir lange Zeit von größeren Verletzungen verschont geblieben sind. Die Ausfälle kamen eigentlich erst in der zweiten Saisonhälfte. Trotzdem hat die Mannschaft immer wieder Lösungen gefunden. Ein gutes Beispiel war das Auswärtsspiel in Schwerin, als wir ohne etatmäßige Rückraum-Mitte antreten mussten und extrem improvisieren mussten. Oder junge Spielerinnen wie Helene, die wir zum Saisonende hervorragend integriert haben und die direkt ihren Beitrag geleistet haben. Auch eine Line Ruge, die beispielsweise mit ihren Toren gegen den TSV Altenholz ein ganz wichtiges Spiel mitentschieden hat, steht stellvertretend für den starken Teamgeist und die Breite unseres Kaders.
Bemerkenswert war vor allem, wie konstant wir Woche für Woche unsere Leistung abgerufen haben. Dass wir den Titel bereits fünf Spieltage vor Saisonende perfekt gemacht haben, spricht für die Qualität und die Mentalität dieser Mannschaft. Im Trainingslager habe ich den Vergleich zu Otto Rehhagel gezogen, der mit dem 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger aus der 2. Bundesliga direkt Deutscher Meister geworden ist. Natürlich sind die Dimensionen nicht vergleichbar, aber die Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn eine Mannschaft als echte Einheit auftritt, großes Vertrauen ineinander hat und konsequent ihren Weg geht. Genau dieses Gefühl hat uns in der vergangenen Saison ausgezeichnet.
Redaktion:
Dirk, auch du warst damals im Trainingslager in Dänemark dabei, als die Mannschaft sich dieses große Ziel gesetzt hat. Du warst damals überrascht und durchaus skeptisch, ob die Mannschaft sich damit nicht selbst viel zu sehr unter Druck setzen würde. Wie blickst du persönlich rückblickend auf die Zielsetzung des Teams und hat dich die unglaubliche Konstanz der Mannschaft überrascht?
Dirk:
Am Anfang war ich schon skeptisch. Ich habe mich gefragt, ob sich die Mannschaft mit diesem klaren Ziel nicht zu viel Druck macht. Zu Beginn der Saison haben wir 2-3 Spiele mit jeweils 1 Tor gewonnen. Das gab enorm viel Selbstvertrauen und im Laufe der Saison hat das Team bewiesen, dass es genau den richtigen Ehrgeiz hatte. Besonders die Konstanz hat mich beeindruckt, über so viele Monate auf diesem Niveau zu spielen. Deshalb war die Zielsetzung im Nachhinein genau die Richtige.
Redaktion:
Auch in diesem Jahr findet das Trainingslager wieder an gleicher Stelle statt. Was denkt ihr, welches Saisonziel sich die Mannschaft diesmal stecken wird bzw. was sind eure persönlichen Saisonziele?
Henning:
Ich glaube, das Ziel der Mannschaft wird klar sein: Wir wollen uns in der 2. Bundesliga etablieren und die Liga halten. Für mich persönlich gibt es den Begriff „Klassenerhalt“ dabei eigentlich gar nicht. Ich spreche lieber davon, dass wir uns in dieser Liga behaupten und auch in der kommenden Saison noch Teil der 2. Bundesliga sind. Uns ist allen bewusst, dass wir als Aufsteiger vor einer großen Herausforderung stehen. Deshalb wird es zunächst darum gehen, in der Liga anzukommen, Erfahrungen zu sammeln und uns Schritt für Schritt an das höhere Niveau zu gewöhnen. Gleichzeitig fahren wir nicht in irgendein Spiel, um nur dabei zu sein. Wir wollen mutig auftreten, unsere Identität auf die Platte bringen und in jedem Spiel um zwei Punkte kämpfen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Mannschaft sich genau dieses Ziel auch im Trainingslager selbst setzen wird. Entscheidend wird sein, dass wir als Team zusammenwachsen, uns kontinuierlich weiterentwickeln und uns in der 2. Bundesliga fest etablieren. Das sollte unser gemeinsamer Anspruch sein.
Florian:
Für die Mannschaft und den gesamten Verein kann es in der ersten Saison in der 2. Alsco HBF nur ein Ziel geben und das lautet: Klassenerhalt! Alles andere wäre aus meiner Sicht völlig utopisch. Wir wollen einen guten Start hinlegen und möglichst schnell viele Punkte holen. Darüber hinaus werden wir die nächsten Monate weiter intensiv daran arbeiten, die Strukturen noch weiter zu professionalisieren, damit wir auch langfristig eine realistische Chance haben, in der 2. Alsco HBF zu spielen.
Dirk:
Ich denke, die Mannschaft wird sich wieder ein klares Ziel setzen. Welches genau, wird sie gemeinsam mit uns im Trainingslager festlegen. Wichtig ist, dass alle dahinterstehen und konsequent daran arbeiten. Mein persönliches Ziel ist, dass wir uns als Team schnellstmöglich an die 2. Alsco HBF gewöhnen und gesund durch die Saison kommen. Wenn wir unsere Leistung konstant abrufen, ist vieles möglich. Aber ganz klar: Zielsetzung Klassenerhalt!
Tim:
Ich bin überzeugt, dass sich die Mannschaft ein realistisches Ziel setzen wird. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass wir diese Herausforderung mit Respekt und der notwendigen Demut angehen. Die 2. Alsco HBF ist für uns alle Neuland und stellt hohe Anforderungen. Dennoch bin ich von der Qualität unseres Teams überzeugt. Wenn wir täglich konzentriert arbeiten, geschlossen auftreten und unsere Entwicklung konsequent vorantreiben, bin ich zuversichtlich, dass wir unser großes Ziel – den Klassenerhalt – erreichen werden.
Redaktion:
Ihr habt gemeinsam mit der Mannschaft in den letzten Monaten für Aufsehen gesorgt, nicht nur sportlich, sondern auch hinter den Kulissen. Euch ist es gelungen, das Unmögliche möglich zu machen, und aus dem kleinen Dorfklub eine Bundesligamannschaft zu formen. Wann war der Moment, als ihr wusstet, es kann wirklich klappen?
Florian:
Die letzten Monate waren und sind nach wie vor kaum in Worte zu fassen. Noch heute muss ich mich wirklich manchmal in den Arm kneifen, um zu realisieren, was wir hier in dieser kurzen Zeit gemeinsam geschaffen haben. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich von den Lübecker Nachrichten (LN) Anfang des Jahres gefragt wurde, wie hoch ich die Chancen einschätzen würde, einen Aufstieg in die 2. Alsco HBF realisieren zu können. Ich habe die Wahrscheinlichkeit damals wohlwollend auf 5% geschätzt, denn wirklich niemand im und um den SV Todesfelde konnte sich vorstellen, was in den nachfolgenden Monaten passieren sollte. Als nahezu alle unsere Sponsoren ihr Engagement fast verdoppelt hatten und der Spendenlauf Anfang Februar ein voller Erfolg war, kam bei mir erstmals wirklich richtige
Hoffnung auf, dass es mit dem Aufstieg tatsächlich klappen könnte. Als dann vorzeitig Ende Februar der magische Betrag von 150.000 EUR geknackt war, kannte die Freude natürlich keine Grenzen.
Henning:
Der entscheidende Moment war für mich das erste Januarwochenende. Als wir die Mannschaft gefragt haben, ob sie diesen Weg gemeinsam mit uns gehen möchte, und wir uns anschließend bewusst für das Projekt 2. HBF entschieden haben, war ich überzeugt, dass wir es schaffen können. Natürlich war das Ziel, rund 150.000 Euro auf die Beine zu stellen, extrem ambitioniert. Aber ich habe damals schon gesagt: Wenn es jemand schaffen kann, dann der SV Todesfelde. Dieser Verein hat eine besondere Mentalität und einen außergewöhnlichen Zusammenhalt. Dass am Ende alles so funktioniert hat, ist alles andere als selbstverständlich. Deshalb kann ich auch heute nur Danke sagen – an unsere Sponsoren, unsere zahlreichen Helferinnen und Helfer, die sportliche Leitung, das gesamte Umfeld und natürlich an die Mannschaft. Alle haben ihren Teil dazu beigetragen, dieses Projekt Wirklichkeit werden zu lassen. Besonders beeindruckend ist für mich, wie viel Unterstützung wir auch heute noch erfahren. Die Wertschätzung, die Begeisterung und der Rückhalt, den wir aus der Region bekommen, sind einfach außergewöhnlich. Das macht mich stolz und motiviert mich, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen. Ich glaube, dass noch viele Menschen Freude an dieser Entwicklung haben werden.
Redaktion:
Das Medieninteresse war insbesondere Anfang des Jahres gigantisch. TV- und Radiosender berichteten beinahe täglich, selbst die BILD-Zeitung wurde auf den SVT aufmerksam. Wie seid ihr hiermit umgegangen und wie hat sich der Handball im SV Todesfelde innerhalb kürzester Zeit in der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht verändert?
Tim:
Die Mediale Aufmerksamkeit hat uns ehrlich gesagt überwältigt. Es war eine sehr emotionale Zeit, weil wir innerhalb weniger Wochen plötzlich weit über die Handballszene hinaus in aller Munde waren. Wenn Fernsehsender , Radiosender, Internetplattformen oder sogar die Bild-Zeitung über uns berichten, ist das etwas, womit man als ehrenamtlich geführter Verein erst einmal umgehen lernen muss -zusätzlich zu den ohnehin schon zahlreichen organisatorischen Aufgaben, die der Aufstieg mit sich bringt. Gleichzeitig hat diese enorme Präsenz auch viele positive Effekte mit sich gebracht. Insbesondere in der Sponsorensuche hat uns die öffentliche Aufmerksamkeit enorm geholfen. So haben wir die Chance, den Verein auch nachhaltig weiterzuentwickeln und die Strukturen der 2. Liga anzupassen.
Florian:
Die öffentliche Wahrnehmung des Handballs im SV Todesfelde hat sich innerhalb kürzester Zeit sehr verändert. Wurde der SVT in den letzten Jahren häufig als reiner Fußballverein wahrgenommen, kennen nun viel mehr Menschen auch den Handballsport im Verein, und das wirklich auch deutschlandweit. Im Rahmen unserer Next Step-Offensive haben wir Geldspenden aus der gesamten Republik erhalten. Natürlich zeigt sich die Entwicklung auch bei der Sponsorenentwicklung. Der Handball im SVT ist richtig „sexy“ und attraktiv geworden, was viele Unternehmen anspricht. Wir haben uns diese Entwicklung aus eigener Kraft erarbeitet, daher ist es umso schöner, dass nun auch die Aufmerksamkeit entsprechend vorhanden ist.
Redaktion:
Ihr seid einer der ganz wenigen Vereine, der im Profibereich weiterhin nur durch Ehrenamtler geführt wird. Viele fragen sich, wie das funktionieren kann und ob kurz- bis mittelfristig die Etablierung von neuen Strukturen notwendig sein wird. Wie blickt ihr in die nähere Zukunft und seht ihr den Verein und das Umfeld für dauerhaften Profihandball entsprechend aufgestellt?
Dirk:
Dass wir im Profibereich nahezu ausschließlich ehrenamtlich arbeiten, ist tatsächlich etwas Besonderes. Darauf sind wir auch ein Stück stolz. Das funktioniert nur, weil viele Menschen mit unglaublich viel Leidenschaft, Herzblut und Zeit den Verein unterstützen. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass die Anforderungen und Auflagen der HBF im Profihandball kontinuierlich steigen. Deshalb müssen wir unsere Strukturen Schritt für Schritt weiterentwickeln. Schließlich sind wir immer noch der Verein aus dem kleinen Dorf Todesfelde. Unser Ziel ist es, den Verein nachhaltig aufzustellen. Mit gesundem Wachstum, verlässlichen Partnern und einem starken Zusammenhalt. Wir wollen uns somit nicht nur sportlich in der 2. Bundesliga etablieren.
Tim:
Wir sind uns bewusst, dass der Weg zu dauerhaft professionellen Strukturen noch ein weiter ist.Der Aufstieg in die 2. Alsco HBF hat viele neue Anforderungen mit sich gebracht, die wir als ehrenamtlich geführter Verein Schritt für Schritt bewältigen müssen. Gleichzeitig sehen wir darin eine große Chance für die Weiterentwicklung des Gesamtvereins. Mit unserem Team in der sportlichen Leitung, dem starken Rückhalt vieler Ehrenamtler sowie der Unterstützung unserer Partner und Sponsoren werden wir die notwendigen Strukturen kontinuierlich ausbauen.
Redaktion:
Eure Heimspiele können aufgrund der Gegebenheiten in Todesfelde leider nicht im Heimatdorf stattfinden. Stattdessen zieht ihr für diese Spiele nach Lübeck, Ellerbek und Bad Schwartau um. Welche Gedanken und Visionen beschäftigen euch, damit irgendwann vielleicht doch einmal Bundesligahandball direkt in Todesfelde stattfinden kann?
Florian:
Wir sind einerseits natürlich traurig, nicht in Todesfelde spielen zu können. Andererseits ergeben sich dadurch auch ganz neue Möglichkeiten und wir sind froh, unsere Heimspiele in den drei Hallen austragen zu dürfen. Mein persönlicher Traum bleibt Bundesligahandball direkt in Todesfelde. Inwiefern das in der Zukunft vielleicht möglich ist, liegt jedoch nicht in unserer Hand, weshalb ich trotz durchaus vorhandener Gedanken und Visionen realistisch gesehen eher Zweifel an der Umsetzbarkeit habe.
Redaktion:
Im Sommer gab es einen größeren Umbruch im Kader, echte Urgesteine haben den Verein verlassen. Habt ihr diesen Cut kommen sehen oder kamen einige Abgänge auch überraschend?
Tim:
Der personelle Umbruch kam für uns nicht völlig überraschend. Deshalb haben wir bereits frühzeitig während der vergangenen Saison die Weichen für die Zukunft gestellt, um der Mannschaft das klare Signal zu geben, dass wir den nächsten Entwicklungsschritt gemeinsam gehen wollen und unseren Kader weiter stärken. Trotzdem sind die Abgänge unserer Urgesteine alles andere als selbstverständlich. Spielerinnen, die den Verein über viele Jahre geprägt, Verantwortung übernommen und maßgeblich zu unseren Erfolgen beigetragen haben, hinterlassen sportlich wie menschlich eine große Lücke. Für Ihren Einsatz, ihre Loyalität und Identifikation mit dem SVT sind wir von Herzen dankbar. Natürlich hätten wir diese Persönlichkeiten gerne weiterhin in unseren Reihen gehabt.
Redaktion:
Der Kader wurde auf einen Schlag extrem verjüngt, das Durchschnittsalter liegt bei etwa 22 Jahren. Was traut ihr den überwiegend jungen Neuzugängen zu und welche Rolle werden die erfahrenen Kräfte um Lara Röhrig, Franzi Haupt oder Vicky Nigbur einnehmen?
Henning:
Wir haben eine junge, hungrige und mutige Mannschaft zusammengestellt. Darauf freuen ich mich sehr. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass wir viele der größten Talente aus der Region in unserem Kader haben. Gerade Spielerinnen, die in der Talentschmiede des VfL Bad Schwartau hervorragend ausgebildet wurden, bringen eine starke Basis mit und haben enormes Entwicklungspotenzial. Natürlich werden unsere erfahrenen Spielerinnen wie Lara Röhrig, Franzi Haupt und Vicky Nigbur eine ganz wichtige Rolle einnehmen. Sie sollen Verantwortung übernehmen, auf und neben dem Feld vorangehen und die jungen Spielerinnen mit ihrer Erfahrung unterstützen. Gerade in einer so anspruchsvollen Liga ist das unglaublich wertvoll. Gleichzeitig besteht unsere Erfahrung aber nicht nur aus diesen drei Spielerinnen. Mit Lina Asmussen haben wir eine Spielerin im Kader, die bereits Zweitliga-Erfahrung mit Heide gesammelt hat. Stine Petersen kennt die 2. Bundesliga ebenfalls bereits aus ihrer Zeit in Rosengarten. Finja Harms bringt trotz ihres jungen Alters ebenfalls schon viel Erfahrung und eine hohe Spielintelligenz aus der 2. Liga mit. Und mit Rieka Thal haben wir eine Spielerin, die unserem Tempospiel noch einmal zusätzliche Qualität verleiht.
Insgesamt haben wir eine Mannschaft mit viel Dynamik, großer Lernbereitschaft und gleichzeitig genügend Erfahrung, um die jungen Spielerinnen zu führen. Diese Mischung stimmt mich sehr optimistisch. Jetzt gilt es, als Team zusammenzuwachsen und unser Potenzial Woche für Woche auf die Platte zu bringen.
Redaktion:
Wie zu hören ist, herrscht aktuell die höchste Beteiligung im Training seit deinem Amtsantritt im November 2023. Ist der Konkurrenzkampf um die Startplätze quasi spürbar?
Henning:
Ja, das stimmt tatsächlich. Wir haben aktuell die höchste Trainingsbeteiligung seit meinem Amtsantritt im November 2023. Das freut mich riesig, denn eine hohe Trainingsqualität beginnt mit einer hohen Trainingspräsenz. Natürlich ist der Konkurrenzkampf um die Plätze spürbar. Jede Spielerin gibt im Training Vollgas, jede bringt ihre eigenen Qualitäten mit und möchte sich für Einsatzzeiten empfehlen. Auf einigen Positionen ist der Konkurrenzkampf sicherlich noch etwas größer als auf anderen. Aber genau das macht uns als Mannschaft stärker, weil sich jede Einzelne jeden Tag weiterentwickeln muss. Am Ende werden die Spielerinnen auf dem Feld stehen, die sich ihre Einsätze im Training verdient haben und die in der jeweiligen Situation der Mannschaft am meisten helfen können. Leistung entscheidet – und das wissen alle. Besonders freut mich auch, dass selbst unsere verletzten Spielerinnen bei jeder Trainingseinheit dabei sind. Sie arbeiten gemeinsam mit unserem Physio-Team intensiv an ihrem Comeback und sind trotzdem ein wichtiger Teil der Mannschaft. Dieses Miteinander und der Zusammenhalt innerhalb des Teams sind aktuell wirklich außergewöhnlich.
Redaktion:
In den letzten beiden Jahren zog der SVT wie ein Zug ohne Bremse durch die Regionalliga und 3. Liga Nord. Todesfelde wird seitdem stets mit einem rasanten Tempohandball in einem Atemzug genannt. Wird dies auch in der 2. Alsco HBF der Schlüssel zum Erfolg sein oder wird es hier auf andere Aspekte ankommen?
Henning:
Unser Tempospiel ist und bleibt unsere DNA. Das ist die Spielidee, die ich in den vergangenen Jahren entwickelt habe und die die Mannschaft verinnerlicht hat. Es ist inzwischen so etwas wie unser Markenzeichen geworden – unser Signature Skill. Daran werden wir auch in der 2. Alsco HBF festhalten. Allerdings wissen wir auch, dass die Gegner in der Bundesliga deutlich besser und vor allem schneller im Rückzugsverhalten sind. Deshalb werden wir nicht jedes Spiel ausschließlich über das Tempospiel entscheiden können. Genau deshalb werden wir unser Angriffsspiel weiterentwickeln. Wir wollen variabler werden, mit unterschiedlichen Auslösehandlungen arbeiten, verschiedene personelle Konstellationen nutzen – mal mit zwei Kreisläuferinnen, mal mit vier Rückraumspielerinnen oder auch mit der siebten Feldspielerin. Unser Ziel ist es, für jeden Gegner die passende Lösung zu finden und uns bestmöglich auf jedes Spiel vorzubereiten. Eines wird sich aber nicht ändern: Wir wollen mutigen, attraktiven und schnellen Handball spielen. Das ist unsere Identität – und deshalb wird es natürlich auch weiterhin unseren legendären Tempo-Dienstag geben.
Redaktion:
In ziemlich genau 4 Wochen geht es los. Der SV Todesfelde startet in seine erste Zweitligasaison der Vereinsgeschichte und empfängt mit dem VfL Waiblingen einen echten Traditionsverein. Wie groß ist die Vorfreude und was für ein Spiel erwartet ihr?
Tim:
Die Vorfreude ist riesig. Wir fiebern diesem Tag seit Monaten entgegen und möchten uns gemeinsam für die viele Arbeit belohnen, die hinter diesem historischen Aufstieg und den Vorbereitungen auf die 2. Alsco HBF steckt. Wir hoffen auf ein volles Haus und eine fantastische Atmosphäre. Wir sind überzeugt, dass uns unsere leidenschaftlichen Fans aus Todesfelde und Lübeck lautstark unterstützen werden und das erste Zweitligaspiel zu einem echten Handballfest machen. Sportlich erwartet uns mit dem VfL Waiblingen ein starker Gegner – genau die Art von Herausforderung, auf die wir uns freuen.
Redaktion:
Die Heimspiele sind mit erheblichen Anforderungen und Bedingungen verbunden. Welche Vorgaben haben euch vor Herausforderungen gestellt und wie wollt ihr diesen Aufwand, insbesondere im personellen Bereich, bewerkstelligen?
Florian:
Wir befinden uns seit Mai bereits in den Planungen und Vorbereitungen für unsere Heimspiele. Der Aufwand ist natürlich extrem, nicht nur wegen dem Umzug aus Todesfelde nach Lübeck, Ellerbek oder Bad Schwartau, wo wir Lösungen für fast 100 Werbebanden brauchten und diese mit LED-Banden und XXL-Bannern auch gefunden haben. Die größten Herausforderungen ergeben sich durch die sehr umfangreichen Durchführungsbestimmungen der HBF. Wir haben sämtliche Unterlagen gemeinsam mit etwa 40 Helfer/innen in den letzten Wochen und Monaten durchgearbeitet und verschiedene „Arbeitskreise“ gebildet, die entsprechende Zuständigkeiten haben, beispielsweise beim Auf- und Abbau. Personell würden uns sicherlich noch ein paar Helfer/innen guttun, ich sehe uns aber wirklich sehr gut aufgestellt für die anstehende Saison. Es ist und war ein weiterer enormer Kraftakt, aber auch hier hat sich wieder gezeigt, dass der Zusammenhalt, das Ehrenamt und der gemeinsame Wille am Ende zum Ziel führt bei uns in Todesfelde.
Redaktion:
Am 14. März kamen mit 1.055 Zuschauern in der Hansehalle so viele Zuschauer zu einem Ligaspiel wie nie zuvor. In der Ludwig-Jahn-Halle Bad Schwartau sind die Kapazitäten mit ca. 550 Zuschauern begrenzt. Geht ihr zum Auftakt von einer ausverkauften Halle aus und glaubt ihr, dass im Laufe der Saison der Zuschauerrekord in der Hansehalle nochmals überboten werden kann?
Tim:
Ich glaube, dass wir als Gastverein in der Jahn-Halle genau richtig sind. Die Halle bietet zwar weniger Kapazität als die Hansehalle, dafür kann dort eine ganz besondere Atmosphäre entstehen. Wenn es uns gelingt, unsere Zuschauer mitzunehmen, kann die Jahn-Halle zu einem echten Hexenkesselwerden – und genau das kann in engen Spielen ein entscheidender Faktorsein. Ob wir den Zuschauerrekord aus der Hansehalle noch einmal übertreffen werden, kann heute niemand sagen. Unser Ziel ist vielmehr, jeden Fan mit unserer Leidenschaft und unserem Einsatz zu begeistern. Wir wollen für jeden Zuschauer kämpfen und alles dafür geben, dass die Menschen gerne wiederkommen und sich mit dem SVT identifizieren.
Henning:
Es wäre natürlich ein Traum, gleich zum Saisonauftakt vor einer ausverkauften Ludwig-Jahn-Halle zu spielen. Ich weiß aber auch, dass zeitgleich viele Mannschaften und Fans beim Sauerland-Cup unterwegs sind und deshalb vielleicht nicht dabei sein können. Trotzdem hoffe ich auf eine tolle und volle Kulisse. Ich kann jedem nur empfehlen, sich ein Spiel der SV Todesfelde-Damen anzuschauen. Wir stehen für einen schnellen, mutigen und attraktiven Handball mit viel Tempo, Dynamik und Leidenschaft. Das macht Spaß – nicht nur der Mannschaft auf dem Feld, sondern auch den Zuschauern auf der Tribüne. Und warum sollten wir nicht auch den Zuschauerrekord in der Hansehalle noch einmal übertreffen? Ich halte das durchaus für möglich. Vielleicht gelingt es uns sogar, die Halle einmal komplett zu füllen – beispielsweise mit einem attraktiven Doppelspieltag gemeinsam mit dem MTV Lübeck oder dem VfL Lübeck-Schwartau. Die Begeisterung rund um den Handball in Todesfelde ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Wenn wir diese Entwicklung fortsetzen und die Menschen mit unserer Art Handball begeistern, dann können wir gemeinsam noch viele besondere Momente erleben. Wir würden uns über jeden freuen, der Teil dieser Reise wird.
Redaktion:
Der Spielplan bringt für den SVT gleich zum Saisonstart drei weite Auswärtsreisen nach Nürtingen, Mainz und Regensburg mit sich. Manche Reisen werden mit der Bahn inklusive Übernachtung im Hotel angetreten. Ist diese Umstellung eher belastend oder freut man sich darauf, an den Wochenenden auch mal etwas mehr Zeit miteinander zu verbringen?
Henning:
Ganz ehrlich: Genau darauf freuen wir uns. Das ist schließlich Bundesliga. Zu dieser Liga gehören auch lange Auswärtsfahrten, Hotelübernachtungen und gemeinsame Reisen. Das sind Erlebnisse, die eine Mannschaft noch enger zusammenschweißen und auf die wir alle richtig Lust haben. Ich sehe das überhaupt nicht als Belastung. Im Gegenteil: Solche Wochenenden bieten die Möglichkeit, noch mehr Zeit miteinander zu verbringen und als Team weiter zusammenzuwachsen. Das ist gerade für eine neu zusammengestellte Mannschaft ein großer Vorteil. Dass wir gleich zu Saisonbeginn mehrere weite Auswärtsreisen haben, finde ich sogar ganz gut. So sind wir noch nicht mitten im Winter unterwegs, wenn Schnee oder schwierige Straßenverhältnisse eine zusätzliche Herausforderung darstellen könnten. Ich glaube, die Vorfreude ist bei allen riesig. Wir haben uns diese Liga gemeinsam erarbeitet – und jetzt wollen wir alles genießen, was dazugehört. Dazu zählen eben auch die Auswärtsfahrten und die besonderen Momente, die man als Mannschaft gemeinsam erlebt.
Redaktion:
Die Fans des SVT waren in den letzten Jahren ebenfalls mehr als herausragend. Kein Gegner mobilisierte so viele Fans zu Auswärtsspielen. Hofft ihr, dass die Anhänger auch bei den weiten Reisen ein entscheidender Faktor werden können?
Florian:
Unsere Fanszene hat sich in den letzten Jahren außerordentlich entwickelt. Noch vor ca. 4 Jahren gab es überhaupt keine richtige Fankultur. Inzwischen gehören unzählige Fahnen, Banner, unsere tollen Trommler und diverse Krachmacher genauso dazu wie das standardmäßige Fantrikot, was nahezu jeder Fan besitzt. Die Auswärtsspiele waren in den letzten beiden Jahren eigentlich regelmäßig Heimspiele, was sicherlich auch zum großen Erfolg beigetragen hat. Da ich unsere Fanszene betreue, habe ich durchaus bereits mitbekommen, dass einige Personen schon Bahnfahrten und Hotels gebucht haben. Ich gehe also fest davon aus, dass die Auswärtsspiele wieder von mehreren Blau-Gelben Anhängern direkt vor Ort begleitet werden. Insbesondere die Spiele in den größeren Städten sind für uns „Dorfkinder“ ja etwas ganz Besonderes. Der große Vorteil: Todesfelde kennt niemand, unsere Gegner bzw. die Orte, wo wir spielen, sind durchaus allen bekannt. Interessierte Fans können sich für Fanbusfahrten ganz bequem online in unserem Ticketshop anmelden. Für Bahnfahrten und Hotelbuchungen stehen wir gerne unterstützend zur Verfügung.
Redaktion:
Welche Favoriten habt ihr in dieser Saison auf dem Zettel, wenn es um die Meisterschaft in der 2. Alsco HBF geht?
Henning:
Wenn ich auf die Saison schaue, sehe ich aktuell drei Mannschaften ganz vorne:
die Füchse Berlin, Nürtingen und Rödertal. Diese drei Teams sind für mich in der Pole Position, wenn es um die Meisterschaft geht. Gerade die Füchse Berlin sehe ich sehr weit vorne. Dort wird wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Die Integration in die Strukturen der Männermannschaft ist natürlich ein großer Vorteil. Sie können viele Synergien nutzen, haben dadurch hervorragende Bedingungen und sind sportlich wie organisatorisch sehr gut aufgestellt. Aber auch Nürtingen und Rödertal gehören für mich zu den Teams, die ganz oben mitspielen können. Die Liga wird sicherlich sehr spannend und ausgeglichen sein, aber diese drei Mannschaften sehe ich aktuell mit den besten Voraussetzungen für den Kampf um die Meisterschaft.
Tim:
Füchse Berlin!
Florian:
Die SG Nürtingen-Zizishausen und die Füchse Berlin Frauen sind sicherlich die Favoriten. Eine Überraschung traue ich aber auch dem HSV Solingen-Gräfrath 76, dem Bergischen HC und dem HC Rödertal zu.
Dirk:
Ich vermute, dass es eine ausgeglichene Liga sein wird. Viele Mannschaften haben enorme Veränderungen durch Zu- und Abgänge. Trotzdem mein Tipp: Füchse Berlin Frauen.
Redaktion:
Zur neuen Saison kann der SV Todesfelde wieder eine 2. Mannschaft aufbieten, die direkt in der Oberliga startet. Welche Hoffnungen setzt ihr in diesen Neustart und welche Auswirkungen hat das eventuell auch auf die zukünftige Integration junger Talente aus der Region?
Tim:
Der Neustart der zweiten Mannschaft in der Oberliga ist ein strategischer Meilenstein für unseren gesamten Verein. Wir schließen damit eine sportliche Lücke zur ersten Mannschaft und schaffen eine optimale Plattform für den Übergang vom Jugend – in den Leistungsbereich. Auch verletzte Spielerinnen, oder Spielerinnen mit wenig Spielpraxis haben so die Chance, sich zu zeigen, oder wieder Wettkampfshärte zu bekommen.
Henning:
Es ist natürlich großartig, dass wir wieder eine zweite Damenmannschaft beim SV Todesfelde haben. Das ist für die gesamte Entwicklung des Frauenhandballs im Verein ein ganz wichtiger Schritt. Besonders schön ist, dass die Mannschaft weiterhin in Todesfelde spielt und dadurch an den Wochenenden weiterhin viel Leben in der Halle bleibt, auch wenn unsere Spiele in Bad Schwartau, Lübeck und Ellerbek stattfinden werden. Ich freue mich sehr darüber, dass die Mannschaft zu einem großen Teil aus Spielerinnen besteht, die aus Todesfelde kommen, dort ihre ersten Schritte gemacht haben und bereits in der Jugend für den Verein gespielt haben. Genau solche Geschichten machen einen Verein aus und zeigen, wie wichtig eine nachhaltige Entwicklung im eigenen Umfeld ist.
Mit Marci, dem Trainer der zweiten Mannschaft, bin ich bereits im regelmäßigen Austausch. Sie trainieren dienstags und donnerstags nach uns, sodass wir automatisch mehr Berührungspunkte haben werden. Im Laufe der Saison wird es sicherlich Möglichkeiten geben, Synergien zu nutzen, uns auszutauschen und uns gegenseitig zu unterstützen.
Für die Zukunft ist eine zweite Mannschaft extrem wertvoll. Sie bietet jungen Spielerinnen eine Plattform, um sich weiterzuentwickeln und den nächsten Schritt zu machen. Gleichzeitig stärkt sie die gesamte Struktur des Frauenhandballs beim SV Todesfelde. Deshalb freue ich mich sehr auf diesen Neustart.



