SV Todesfelde überzeugt trotz Niederlage mit gelungenem Auftakt in die 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen
Am Ende fehlte etwas die Cleverness
535 Zuschauer erlebten in Bad Schwartau einen besonderen Abend: Der SV Todesfelde hielt bei seiner Zweitliga-Premiere lange mit dem Favoriten des VfL Waiblingen mit. Es war ein Abend, auf den der gesamte SV Todesfelde seit Monaten hingefiebert hatte: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte stand eine Mannschaft des SVT in der 2. Alsco Handball Bundesliga auf dem Spielfeld. Vor 535 Fans in der Ludwig-Jahn-Halle in Bad Schwartau empfing der Aufsteiger am Samstagabend den VfL Waiblingen. Am Ende mussten sich die Blau-Gelben dem erfahrenen Zweitligisten mit 26:32 (14:17) geschlagen geben. Doch das Ergebnis erzählt nur einen Teil der Geschichte. Denn über weite Strecken zeigte der SVT, dass er auf der neuen Bühne angekommen ist und auch gegen einen etablierten Zweitligisten mithalten kann.
Todesfelde zu Beginn mutig und von Kulisse beflügelt
Von Nervosität war zu Beginn kaum etwas zu spüren. Der SVT startete mutig und erwischte den besseren Start. Nach acht Minuten führten die Gastgeberinnen mit 6:3 und
zeigten dabei genau das, was sie sich für ihre Premiere vorgenommen hatten: eine aggressive Abwehr, hohes Tempo und den Mut, auch gegen einen erfahrenen Gegner konsequent in die eigenen Aktionen zu gehen. Für den ersten Zweitliga-Treffer in der Geschichte des SV Todesfelde sorgte nach gerade einmal 71 Sekunden natürlich das Gesicht des SVT: Franziska Haupt. Insgesamt neun Treffer erzielte die Rückraumspielerin später und war damit erfolgreichste Torschützin des SVT. Nach dem starken Start fand Waiblingen allerdings zunehmend besser in die Partie. Die Gäste nutzten ihre Erfahrung und drehten das Spiel. Dennoch ließ sich der SVT nicht abschütteln. Trainer Henning Ammen sah in dieser Phase vor allem, dass sich seine Mannschaft erst an die „etwas andere“ Härte in der neuen Liga gewöhnen muss. Kurz vor der Halbzeit kämpften sich die Todesfelderinnen nach einem 10:13-Rückstand sogar wieder auf 14:14 heran. In den letzten Minuten vor der Pause fehlte jedoch etwas die nötige Ruhe, sodass Waiblingen mit einer 17:14-Führung in die Kabine ging. „Es gab einige Situationen, in denen wir ein, zwei Mal hintereinander einfach ein bisschen kopflos waren und die anderen einfach etwas abgezockter waren“, analysierte Marit Kaps nach dem Spiel selbstkritisch. Auch nach dem Seitenwechsel blieb der SVT dran. Waiblingen konnte sich zwischenzeitlich auf fünf Tore absetzen, doch die Gastgeberinnen bewiesen erneut ihren Kampfgeist. Angetrieben von der lautstarken Unterstützung der Zuschauer kämpfte sich Todesfelde Tor um Tor zurück. In der 48. Minute war der Anschluss beim 22:23 wieder hergestellt. Die Partie war zu diesem Zeitpunkt völlig offen. Doch ausgerechnet in dieser entscheidenden Phase zeigte sich die Routine der Gäste. Waiblingen erhöhte noch einmal das Tempo und setzte sich innerhalb weniger Minuten entscheidend ab. Über 25:22 und 29:23 zogen die Gäste davon. Am Ende stand ein 32:26 auf der Anzeigetafel. Trotz der Niederlage fand SVT-Trainer Henning Ammen nach dem Spiel viele positive Worte für seine Mannschaft: „In der Abwehr standen wir bombastisch und haben gut geackert“, lobte der Trainer die Leistung seiner Mannschaft. Gleichzeitig ärgerte ihn eine Szene besonders: „Ich ärgere mich ein wenig, dass uns nicht das 23:23 gelungen ist.“ Resümierend zeigte sich Ammen dennoch überzeugt: „Wenn wir die Fehler minimieren, wäre heute definitiv mehr drin gewesen.“
Genau diese Momente zeigen, wie nah der SVT an einer Überraschung war. Gegen einen erfahrenen Zweitligisten fehlte dem Aufsteiger am Ende vor allem die letzte Konsequenz in den entscheidenden Situationen.

Am Ende überwiegt mehr Stolz als Enttäuschung
Nach dem Abpfiff überwog beim SV Todesfelde dennoch der Stolz. Die Mannschaft wurde von ihren Fans gefeiert und verabschiedete sich gemeinsam mit den Zuschauerinnen und Zuschauern aus einem historischen ersten Zweitliga-Abend. „Wir konnten den Zuschauern ein richtig gutes Spiel liefern. Ich glaube, jeder Einzelne konnte in seiner Rolle etwas Positives zum Spiel beitragen“, sagte Kapitänin Marit Kaps nach der Partie. Auch Rückraumspielerin Lara Röhrig blickte trotz der Niederlage positiv nach vorne: „Wir haben uns richtig gut geschlagen und sind lange drangeblieben. Und dann fehlt uns manchmal einfach noch etwas die Cleverness. Das ist aber auch etwas, woran wir ansetzen können und weiter dran arbeiten.“ Und Kapitänin Kaps brachte die Stimmung nach dem Abpfiff treffend auf den Punkt: „Mit solch einer Leistung wie heute werden wir unsere Punkte holen.“
Erster Schritt ist getan – jetzt sollen die Fehler minimiert werden
Die ersten beiden Punkte der Zweitliga-Saison gehen also nach Waiblingen. Für den SV Todesfelde bleibt dennoch vor allem eine Erkenntnis: Die Mannschaft ist konkurrenzfähig. Und auch der Respekt der gegnerischen Mannschaft vor der Leistung und dem gesamten Umfeld war nach dem Spiel deutlich zu spüren. VfL-Trainer Michael Stettner zeigte sich beeindruckt: „Hut ab, was hier los ist. Man merkt, dass hier alle Bock drauf haben und das hier echt ein Event war. Das macht auch für die Gastmannschaft Spaß!“ Auch Waiblingens Rechtsaußen Maren Keil fand lobende Worte für den Gastgeber: „Was ihr hier auf die Beine gestellt habt, ist wirklich atemberaubend. Ich glaube, ich habe selten in so einer geilen Halle gespielt und die Stimmung war wirklich mega!“

26:32 klingt am Ende deutlicher, als es der Spielverlauf über weite Strecken war. Der SVT führte mit 6:3, kämpfte sich mehrfach zurück und hatte beim 22:23 in der 48. Minute gleich dreimal die Möglichkeit auf den Ausgleich. Die Premiere ist damit zwar ohne Punkte, aber mit jeder Menge Mut, Selbstvertrauen und wertvollen Erfahrungen beendet. Der SV Todesfelde hat gezeigt, dass er in diese Liga gehört. Jetzt gilt es, die Erfahrungen aus dem ersten Spiel mitzunehmen, die eigenen Fehler zu minimieren und weiter an den eigenen
Stärken zu arbeiten. Denn bereits am kommenden Wochenende wartet die erste weite Reise: Für den SVT geht es nach Nürtingen bei Stuttgart. Dabei wird die Mannschaft auch von einigen Fans begleitet. Die Vorfreude auf die erste Auswärtsfahrt ist im gesamten Umfeld bereits riesig. Gleichzeitig ist der Respekt vor der kommenden Aufgabe groß: Mit dem letztjährigen Vizemeister wartet direkt die nächste echte Herausforderung auf den Aufsteiger. Das Abenteuer 2. Alsco Handball Bundesliga hat begonnen und die ersten Eindrücke machen dabei Lust auf mehr.



